*1974, Zürich

 

 

Interview VIDEONALE 14, Museum Bonn

 

Ihre Arbeit ist unter mehr als 2000 Bewerbungen für die Videonale 14 ausgewählt worden. Welchen Kontext bevorzugen Sie, um Ihre Arbeit zu präsentieren: der Festival / Kino Kontext oder eine Ausstellung? Und was bedeutet die jeweilige Präsentation für die Darstellung Ihrer Arbeit?

In der Regel bevorzuge ich die Präsentation meiner Arbeit in einer Ausstellung. Der Unterschied zwischen einer einmaligen Vorführung im Kino und einem permanenten Screening der Arbeit in einer Ausstellung ist primär der Faktor Zeit. Die Wiederholung bietet den Betrachtern die Möglichkeit, tiefer in ein Werk einzutauchen. In meinen Arbeiten spielt dieser Prozess der Auseinandersetzung eine wichtige Rolle, um die verschiedenen Ebenen, die zeitgleich miteinander laufen, bis ins Detail erfassen zu können. Die dramaturgische Struktur meiner Arbeit setzt den äusseren Rahmen fest, die geloopte Präsentation hingegen eröffnet einen atmosphärisch dichten Raum, der je länger er andauert, einerseits den Blick auf Details lenkt, andererseits mehr Platz für eigene Gedanken zulässt. Das Werk entfaltet sich ganz, wenn meine Sicht als Künstlerin mit dem Bewusstsein jedes einzelnen Betrachters in einen Dialog tritt.

 

Kunst kann als ein Spiegel verstanden werden, welcher das Leben reflektiert oder auch als Werkzeug, mit dem man Momente umsetzen kann. Gibt es ein bestimmtes Thema, Konzept oder ein Problem mit dem sich Ihre Kunst am meisten auseinandersetzt?

Konkrete Beziehungen zwischen einzelnen Menschen stehen im Fokus all meiner Arbeiten; es geht um das Verhältnis zwischen zwei oder mehreren Individuen, um das Aufeinanderprallen ihrer Ansichten und die damit gebotene Möglichkeit einer Grenzverschiebung innerhalb des Raumes, der von den Beteiligten beansprucht wird. Ich suche nach kulturell konditionierten Kommunikationsmustern, aber auch nach deren Abweichungen. Wir alle möchten uns mitteilen und vom Gegenüber verstanden werden, im Speziellen wenn Gefühle im Spiel sind. Das Missverstehen und Missverstanden-Werden bildet eigentlich die Basis, von der ausgehend ich meine Arbeit konzipiere.

 

In welcher Weise ist das Medium Video eine hervorragende Möglichkeit, Ihr Anliegen / Ihre Intention auszudrücken, vor allem im Gegensatz zu anderen Medien, die Sie verwenden?

Im Gegensatz zu anderen Medien, kann das Medium Video in einer gegebenen Zeitspanne auf mehreren Ebenen gleichzeitig Inhalte transportieren. Das Spiel mit der Diskrepanz zwischen dem, was ein Bild aussagt und dem, was auf akustischer Ebene vermittelt wird, interessiert mich sehr. Auch glaube ich, dass das Medium Video meine Themen, die ich dem Alltag entnehme, unserer medialen Gesellschaft am wirkungsvollsten transportieren kann.