In
den ersten Bildern von conference of confessions sind nur einzelne
Körperteile und schemenhafte Gestalten zu sehen, dann deutlicher
eine Frau und ein Mann in einem Bett, in neutralem (unschuldigen?) Weiß
gekleidet, liebevolle Gesten austauschend. Dazu aus dem Off Geräusche
und Stimmen: das Rascheln von Laken, Lachen, sein Keuchen, ihr schnelles
Atmen, das Klatschen wie von einer Ohrfeige, seine deutlich zu verstehenden
„Aua“-Rufe, ihr Kichern. Wenn sich die Kamera schließlich
entfernt, ist zu erkennen, dass es sich bei dem Geschehen zwischen den
Laken um eine Rauferei handelt. Die schlichte Matratze ist die Bühne
für ein zunehmend aggressives Spiel über Vertrauen und Macht.
Zwischendurch erscheint ein Schriftzug über dem Bild: „Do
you know what I mean?“ – „Weißt du, was ich
meine?“
Konkrete Beziehungen zwischen einzelnen Menschen stehen im Mittelpunkt
aller Arbeiten Bettina Dislers. Das Verhältnis zwischen zwei Individuen
wird hier verstanden als kleinste gesellschaftliche Einheit und somit
als repräsentativ für das Gesamtgefüge, in dem wir uns
alle bewegen. Mit anderen Menschen zu interagieren, innerhalb der Gesellschaft
zu handeln, und sei es in noch so privatem Rahmen, bedeutet immer eine
Verhandlung mit anderen, Rücksichtsnahme, Kompromiss, Prüfung
der eigenen Position und der Haltung der anderen. Zwangsläufig
führt dies zu Reibung, Konflikt, zu Machtkämpfen.
Für diese komplizierten Beziehungen hat Bettina Disler ein eingängiges
und klassisches Bild gefunden: das sich neckende Paar. Vermeintlich
spielerisch testen sowohl Frau als auch Mann die eigene Kraft und Geschicklichkeit
sowie das Verhalten und die Toleranz des Partners aus. Immer ernster
und rücksichtloser scheint das Spiel zu werden, bis schließlich
beide erschöpft nebeneinander liegen. Dass dies jedoch nur einen
vorläufigen Stillstand bedeutet, ist deutlich zu spüren –
die Spannung zwischen Hingabe und Ermächtigung, zwischen Selbstaufgabe
und Verantwortungsbewusstsein und zwischen Nähe und Distanz bleibt
unverändert bestehen.
Während in früheren Epochen die Machtverhältnisse –
zwischen Souverän und Untertan, Mann und Frau, Herr und Bedienstetem
– eindeutiger waren, sind sie dank historischer Entwicklungen
unklarer geworden. Souveränität und damit Verantwortung liegen
letztlich beim einzelnen und müssen von Fall zu Fall neu verhandelt
werden.
In conference of confessions kommt die Rauferei ohne Worte
aus, und doch schwebt über allem die Frage: „Weißt
du, was ich meine?“ – Das Bedürfnis nach Verständnis
und Mitgefühl als ein zutiefst menschliches liegt nicht nur jeder
echten Partnerschaft, sondern allen Kooperationen innerhalb eines gesellschaftlichen
Gefüges zugrunde, welches nicht auf die Mechanismen von Angst und
Unterdrückung baut. Häufig zeigt sich Macht als Verantwortungsbewusstsein,
Empathie, Belohnung oder Befriedigung von Bedürfnissen. Das erschwert
es, herrschende Machtverhältnisse zu durchschauen. Diese einerseits
kenntlich zu machen und andererseits sich selbst als Individuum mit
Anteil an dieser Macht zu begreifen, gehört zur wichtigsten Verantwortung
des selbstbestimmten Menschen in unserer Gesellschaft.
Do you know what I mean?
Text von Barbara J. Scheuermann, freischaffende Kuratorin und Autorin